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Wir schreiben das Jahr 2005. Ganz Deutschland ist besetzt von den Knallchargen des Popstar-Castings und der Bohlenschen Dummbeuteligkeit. Ganz Deutschland? Nicht ganz, denn eine Handvoll dickschädeliger Unbeugsamer trifft sich 1996 erstmals im Dörfchen Geldern-Kapellen auf dem Hof vom Bauern Willem, nur bewaffnet mit Humor, Durst und ein paar verstimmten Akustik-Gitarren. Sie schreiben deutschsprachige Lieder jenseits des gängigen Marktes und spielen sich diese mangels eines vom Privatfernsehen gleichgeschalteten Publikums mehr oder weniger gegenseitig vor.
Wenige Jahre später, die Unbeugsamen sind jährlich mehr geworden, macht ein Wort die Runde, das zum Markenzeichen der klampfenden Gegner des schleichenden Stumpfsinns wird: “Extreme Liedermaching”, oder kurz: “LIEDERMACHING”.
Liedermaching wird zu einer Gemeinde von wackeren rotäugigen Helden; der Ort ist nur wenige Hektar groß, besteht aus einem Bauernhaus, einer improvisierten Bühne, einem Zeltdorf auf einer Rindviecher-Weide und einem ausgebaggerten Tümpel – und er hat einen Bürgermeister: Den rauschebärtigen Landwirt Willem.
Inzwischen entsendet die Gemeinde ihre Bewohner hinaus in das besetzte Deutschland, um dem vom Bohlenismus gebeutelten Volke die Hoffnung zurückzugeben. Eine Liste der steckbrieflich gesuchten Übeltäter mit ihren Klampfen, Klavieren und Kantaten ist auf dieser Internet-Seite zu finden, denn www.liedermaching.de ist Presse-Organ und Chronik der Gemeinde zugleich.
Einmal jährlich kommt es zur Gemeindeversammlung in Liedermaching. Hier, und nur hier, finden die extrem harten Aufnahmerituale der Ureinwohner und solcher, die es werden wollen, statt. Dabei gilt es unter anderem, zweieinhalb Tage lang Zaubertrank bis zum Abwinken zu sich zu nehmen, ein ungewolltes Bad im Dorftümpel zu nehmen und sein Liedgut vorzutragen.
Unbeugsamen, Desperados und Trubadixern, die sich auf der oben stehenden Steckbrief-Liste wiederfinden wollen, bleibt nichts anderes übrig, als zur Gemeindeversammlung aufzutauchen und sich besagten Aufnahmeritualen zu stellen.
So hat es der Gemeinderat von Liedermaching beschlossen und für gut befunden, so wird es gehandhabt!
“Ooognnnaahrrrrruuuuuuahhoohiiiiiiiii, Afhhjuuaaaaarr”
(Anakreontische Ode des Trubadix mit einer Transzendenz des Verbalismus, aus Band XXIX )